Kopialbuch (HS St God 311)

Diplomatorium des Klosters St. Godehard 1142-1487

Dieses Kopialbuch (auch Kopiar) wurde im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts unter Abt Bertram Bredenbeck (Abt von 1474-1493) im Kloster St. Godehard angefertigt. Der Großteil des Kopialbuches wurde dabei von einer Hand geschrieben und mindestens drei weitere Hände sind nachweisbar, wobei zwei Schreiber am Ende des 15. Jahrhunderts bzw. am Beginn des 16. Jahrhunderts – zeitnah zur Entstehung des Kopiars – Ergänzungen vornahmen (bspw. fol. 104v und fol. 165r).

Eine weitere Hand ist in die Mitte des 16. Jahrhunderts zu datieren (fol. 105r) und an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert ein Register hinzugefügt wurde. Das Kopialbuch mit den Maßen von 29,5 x 22,5 x 4,5cm umfasst 176 Blatt Papier, das ungefähr dem heute gebräuchlichen A4 Format entspricht. Das Kopiar wurde sehr wahrscheinlich im 19. Jahrhundert neu gebunden, wobei ein schlicht gestalteter Pappeinband, aber auch Pergament, zum Einsatz kamen.

Der Entstehungsgrund für dieses Kopialbuch ist vor dem Hintergrund der Devotio moderna und insbesondere im Zusammenschluss zahlreicher Benediktinerkloster im Rahmen der Bursfelder Kongregation zu sehen, in deren Kontext sich auch das seinerzeit im Niedergang befindliche St. Godehard Kloster im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts neu aufstellte. Federführend wirkten hierbei vor allem die Äbte Lippold von Stemmen (1465-1474), Bertram Bredenbeck (1474-1493) und Henning Kalberg (1493-1535).

 

 

Entsprechend seines Nutzungszwecks beinhaltet das Kopiar Abschriften von wichtigen Urkunden, die allen voran den klösterlichen Grundbesitz betreffen und die ältesten Dokumente aus der Zeit der Klostergründung stammen. Daneben werden auch die Äbte der Gründungszeit im Rahmen von Kurzviten (bspw. Abt Arnold, fol. 72r) thematisiert, um so insgesamt die traditionsreiche Geschichte, aber auch den Besitzstand des Klosters zu abzubilden.

Die einzelnen Inhalte sind überwiegend fein säuberlich in Latein sowie seltener in Mittelniederdeutsch verfasst und in der Regel finden Initialen Verwendung, die jedoch relativ einfach gestaltet sind. Farbliche Hervorhebungen oder künstlerische Verzierungen fehlen, was allerdings für diese Quellengattung auch untypisch wäre.

Denn Kopialbücher sind im Prinzip eine vor allem auf die Verwaltungspraxis ausgerichtete Zusammenstellung wesentlicher Rechtsdokumente, die in der täglichen Verwaltungsarbeit benutzt wurden. Einerseits, um die Originalurkunden zu schützen sowie mithilfe der Kopien einem möglichen Informationsverlust, etwa durch Brände, zu begegnen. Andererseits erleichterten die Urkundenkollektionen die Arbeit des klösterlichen Verwaltungspersonals erheblich, weil die zentralen Dokumente im Rahmen einer Handschrift leicht zugänglich waren.

Für die historische Forschung besitzen Kopiare eine besondere Bedeutung, da sie oft als einzige Quelle Inhalte von Urkunden überliefern, die sich in der Originalausführung nicht mehr erhalten haben. Daneben beinhalten sie – wie auch das hier beschriebene Kopiar – zusätzliche Informationen, beispielsweise zu den Leistungen früherer Klosterbrüder.